Mansha Street Art

Mansha F. aus Hannover-Linden ist eine international bekannte Street Art Künstlerin. In Ihrer frühen Biografie finden sich spannende Stationen ihres Lebens die direkten Einfluß auf ihre heutigen Arbeiten nehmen. In den 80er und 90er Jahren war Mansha, Graffiti Künstlerin, Rapperin und eine der ersten Skateboarderinnen und damit eine Exotin in klassischen Männer Domänen. Von Anfang an musste sie sich in dieser Welt behaupten und durchsetzen.

Velo Hannover: Mansha, wie geht es Dir heute?

Mansha: Danke der Nachfrage. Ich bin zufrieden. Mal abgesehen von den besonderen Herausforderungen als alleinerziehende Mutter in Pandemiezeiten solltet ihr diese Frage besonders meinem 11 jährigen, schulpflichtigen Sohn stellen.

Velo Hannnover: Aktuell hast Du Dich in deiner künstlerischen Arbeit dem Thema Yarnbombing verschrieben. Wie kam es dazu?

Mansha: Ich war Graffitisprüherin und habe damit auch viele Jahre mein Geld verdient. Graffiti war cool. Jedenfalls, wenn es legal als Wandbild gesprüht wurde.

Als ich meine erste große Wollinstallation in den Öffentlichen Raum installierte, ich fing hier in Hannover 2011 mit der Kröpcke Uhr an, hagelte es immense Kritik. Wolle sollte für sinnvolleres benutzt werden. Handarbeiten zum Beispiel. Diese Frage nach dem Material wurde während meiner Sprüherzeit nie kritisiert, wobei man bedenken muss, dass wir früher ja eigentlich mit Autolack gesprüht haben. Mich hatte diese Abwertung angespornt. Auch dass es kaum Support innerhalb der Street Art Szene gibt. Der Großteil der Street Art Festivals ist von Männer, für Männer. Yarnbombing heute hat eine große und sehr aktive Community und ist zu einer wichtigen Ausdrucksform in der Street Art geworden. Jedoch sind die Werke aufgrund des Materials, temporär und es ist eine Frauendomäne. Ich möchte nun mit meiner Arbeit zeigen, dass Yarnbombing mindestens genauso cool wie Graffiti ist.

Velo Hannover: In wenigen Tagen bist Du zu einem internationalen Street Art Festival in Italien eingeladen. Wir durften schon einmal vorab einen Blick auf Dein neuestes Werk werfen. Erzähl uns bitte mehr dazu:

Mansha: Ja, die Organisatoren des Yarn Bombing Festivals in Mailand haben mich um eine Installation gebeten. Die Installation besteht aus 200 violettfarbenen Würfeln, die ich aus alter Pappe herstelle, die ansonsten im Altpapier gelandet wäre. Alle Würfel sind mit unterschiedlicher Wolle in den verschiedensten Violett, Lila und Magentafarben umstrickt und umhäkelt. Die Wolle besteht zu einem gewissen Anteil aus Restwolle, die keine Verwendung mehr gefunden hätte. Da es ein partizipatives Projekt ist, haben inklusive mir, 13 Frauen daran gearbeitet.

Ich werde diese Würfel in Mailand zu einer Würfelturmgruppe aufstellen und die Menschen können sich, natürlich unter Einhaltung der dortigen Coronaregeln, in diese Gruppe begeben und fotografieren. Nur 1% der Menschen mag die Farbe Violett. Da sie ein Farbreflex ist, lässt sie sich farblich nur schwer fotografisch einfangen, was ich in Zeiten von Instagram und Snapchat sehr spannend finde. Violett ist auch die Farbe der Frauenbewegung seit den 20ziger Jahren im letzten Jahrhundert, sowie die Farbe für Spiritualität. All diese Punkte sind inhaltlich das, für was sie steht. Ich freue mich schon sehr und bin gespannt.

Velo Hannover: Eine kurze Frage zum Thema Mobilität. Wie wir von Dir erfahren haben, besitzt Du kein Auto. Welchen Stellenwert nimmt das Fahrrad in Deinem Mobilitätsverhalten ein? Und wie kommst Du zum Street Art Festival nach Italien?

Mansha: Tatsächlich kann man auch ohne Auto Leben. Alle meine täglichen Wege bewältige ich zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Ansonsten gibt es ja die Öffis. Und nach Italien fahre ich mit der Bahn. Den Anblick dieser wunderschönen Strecke Österreich-Norditalien, ist den Mehraufwand an Zeit, im Gegensatz zu einem Flug, absolut wert.

Velo Hannover: Kennst Du eigentlich den Klimaschutzwettbewerb STADTRADELN? Und hast Du daran schon einmal teilgenommen?

Mansha: Bisher noch nicht, aber im letzten Jahr habe ich im Buchladen meines Vertrauens „Annabee“ eine Schaufensterdeko zum STADTRADELN gesehen. Ich glaube mit meinem bewussten Verzicht aufs Auto tue ich im Bereich Mobilität schon sehr viel für den Klimaschutz

Velo Hannover: Mansha, vielen Dank für dieses Interview …….und vielleicht können wir Dich ja noch überreden unserem STADTRADELN Team beizutreten.